August 2021. Die Welt sieht zu, wie die Taliban in Afghanistan die Macht übernehmen und Hunderttausende vor der Tyrannei fliehen. Viele afghanische Flüchtlinge landen in Bosnien und Herzegowina, einem Nicht-EU-Staat, wo ihre Suche nach einem sicheren und würdevollen Leben an der europäischen Grenze ein jähes Ende findet. Nach einer nervenaufreibenden Flucht aus ihrer Heimatstadt Herat in Afghanistan finden sich Nahid (15) und ihre Familie in der Schwebe der bosnischen Grenzgebiete wieder.
Unter diesen Umständen lernt Nahid Ferida (67) kennen, eine bosnische Witwe, die nahe der Grenze lebt und ihren Mann in den Jugoslawienkriegen verloren hat. Fast täglich beobachtet sie, wie Menschen gedemütigt von ihren Einreiseversuchen in die Europäische Union zurückkehren. Als sie sich mit Nahid anfreundet, kommen ihr langsam Erinnerungen an ihre eigene Vergangenheit zurück. Gleichzeitig entdeckt Nahid, dass der Kreislauf von Krieg und Verlust sie auf unerwartete Weise mit den bosnischen Grenzgebieten verbindet.
Mit Empathie für seine Protagonistinnen und einem scharfen Blick für das Zusammenspiel individueller Schicksale und politischer Kräfte erforscht ECHOES FROM BORDERLAND Migration, Vertreibung und die Suche nach einem Zugehörigkeitsgefühl aus der intimen Perspektive der Begegnung zwischen diesen beiden Frauen.
ECHOES FROM BORDERLAND bringt die harten Realitäten der EU-Außengrenzen durch die Augen eines jungen afghanischen Mädchens und einer bosnischen Kriegswitwe auf die Leinwand und ermöglicht es dem Publikum, die Ungerechtigkeit von Vertreibung unmittelbar zu erfahren, ohne dass komplexe Erklärungen erforderlich sind. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass der Film ein breiteres Publikum findet, insbesondere in Europa, da er die europäische Grenzkrise personalisiert, feminisiert und abstrakte Nachrichten in greifbare, emotionale Erfahrungen verwandelt. Indem er die Zuschauer mit den menschlichen Geschichten hinter den Schlagzeilen verbindet, fördert er Empathie und Dringlichkeit und bewegt europäische Bürger dazu, von ihren politischen Führern Politik mit mehr Fingerspitzengefühl zu fordern. Geeignet und freigegeben für ein Publikum ab 6 Jahren.
Protagonist:innen
Nahid Akbari, Ferida Rahmanović, Elvir Ibrahimi, Abdul Wahed Akbari, Leiliname Akbari, Ali Sajjad Akbari, Zahra Jaafari, uvm.
Regie
Lara Milena Brose
Drehbuch
Lara Milena Brose
Produktion
Thomas Slatter, Felix Sommer, Lara Milena Brose
Kamera
Natalia Mamaj, Lilli Rose Pongratz
Sound Recording
Hanna Hocker, Lilli Schwerin
Sound Design
Johannes Tuchelt, Juian Cropp, Johannes Kunz
Schnitt
Aora Helmzadeh, Lara Milena Brose, Boris Gavrilović
Musik
Ludovico Failla
Regie-Kommentar: Inhaltlich haben wir alles daran gesetzt, die Themen Flucht und Leben im Flüchtlingslager sensibel zu gestalten. Wir zeigen die Realität nicht verharmlost, aber stets durch Auslassung und Zurückhaltung – ohne drastische oder überfordernde Szenen. Nahid, das Mädchen im Zentrum der Geschichte, bietet jungen Zuschauer:innen eine positive Identifikationsfigur. Ihr Mut, ihre Empathie und ihr Glaube an eine bessere Zukunft machen den Film zu einer Geschichte über Menschlichkeit und Hoffnung – auch und gerade für ein jüngeres Publikum. Wir haben bereits Zusagen von Bildungseinrichtungen, den Film im Rahmen von begleiteten Schulvorführungen einzusetzen. Darüber hinaus würden wir gerne pädagogisches Begleitmaterial erstellen, um dieses den Bildungseinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Viele Grundschulkinder haben heute Mitschüler:innen mit Fluchterfahrung. Unser Film kann helfen, diese Realität besser zu verstehen und Berührungsängste abzubauen.
Auszeichnungen
Gewinner Filmfestival Max Ophüls Preis: Bester Dokumentarfilm